interview - sandra teja + hannes thaler

gabarage: könnt ihr kurz euer unternehmen vorstellen, seit waNNs gibt es euch, wie groß ist die firma heute?

 

sandra teja: mam gibt es seit 41 jahren. peter röhrig hat den betrieb seines vaters übernommen, wollte aber im bereich kunststoff etwas eigenes machen. er hat anfang der 70er jahre begonnen ideen zu generieren und sie gemeinsam mit der wirtschaftskammer bewertet – darunter war z.b. auch mikrowellengeschirr – wobei sich herausstellte, dass der schnuller  das größte potential hat.

das innovative daran war, dass der schnuller nicht nur kiefergerecht war, sondern auch noch ein tolles design hatte. prof. ernst beranek von der angewandten war federführend für die entwicklung des designs. seit damals gilt bei der entwicklung von allen mam produkten „form follows function“. am 2. mai 1976 wurde in österreich der erste schnuller verkauft.

 peter röhrig war klar, dass er in österreich alleine nicht erfolgreich sein kann.  unmittelbar nach der markteinführung in österreich ging es nach deutschland, belgien, england,… und es hat bis dato kein halt gegeben oder kein „es funktioniert nicht“.

 

hannes thaler: und heute sind wir 960 mitarbeiterinnen weltweit, wir verkaufen in 60 ländern, haben tochtergesellschaften in 12 ländern aufgeteilt auf europa, asien, süd- und nordamerika.  mittlerweile sind wir so weit, dass wir jede sekunde 2 mam-artikel verkaufen (stand 2016), die tendenz ist steigend. in den letzten 10 jahren gab es 144% umsatzwachstum. also es ist wirklich eine erfolgsgeschichte, die sich jahr für jahr fortsetzt.

 

als csr-verantwortlichen gleich die frage an dich: wann hat sich dieser csr-gedanke bei mam wirklich rauskristallisiert bzw. festgesetzt? ist es auch in allen ländern, in denen ihr vertreten seid, gleich etabliert. ich gehe davon aus, dass es in wien vielleicht mehr verankert ist als in anderen ländern?

 

Hannes Thaler - CSR MAM Baby
Hannes Thaler - CSR MAM Baby

ht: csr betreiben wir, seit es mam gibt, wobei es den begriff damals ja nicht gegeben hat. das birgt schon in sich, dass wir ein familienunternehmen sind und das nachhaltige und ökonomisch langfristige auch beim hrn. röhrig stark verankert ist. die annähernd 100% reinvestition, die wir haben und der große fokus auf forschung und entwicklung, wo auch viel humankapital investiert wird. also es gibt sehr viele bausteine, an denen man sieht, dass wir schon von anfang an mit diesem nachhaltigen gedanken agiert haben. obwohl wir im grunde ein kunststoff-industrieunternehmen sind.

 

es war von anfang an wichtig, dass wir nicht komplett alleine ein mam-produkt entwickeln, sondern gemeinsam mit expertinnen. wir arbeiten viel mit der forschung und medizinischen expertinnen zusammen, die uns bei der produktentwicklung unterstützen. produkte auf hohem niveau herzustellen ist auch unsere verantwortung gegenüber der gesellschaft.

 

Sandra Teja - Marketing, MAM Baby
Sandra Teja - Marketing, MAM Baby

st: wir haben hier (wien, anm.) den forschungs- und entwicklungsstandort, gleich über der grenze in ungarn die fertigung, in ottakring das headquarter, da tut man sich natürlich leichter, nachhaltigkeit gesamt gesehen zu kommunizieren.

 

ht: die größte herausforderung im umweltbereich sind die produktionsstätten, die in thailand und ungarn liegen. da schauen wir durchaus darauf, dass wir – auch weil wir ein spezielles umweltprogramm laufen haben – weitere aktionen setzen. aber dadurch,  dass das headquarter in wien ist und von hier aus auch alles ausgeht, wird csr am standort sicher intensiver gelebt.  wobei wir in den anderen ländern immer best practice beispiele und einen regen austausch zwischen den standorten haben, so dass sich die gelebte csr überall wieder findet.

 

allgemein gesagt, wenn man sich so umsieht und auch mit kunden und partnern spricht, hat man das gefühl, dass schlagworte wie csr, nachhaltigkeit, ökologischer footprint,… fast schon zum guten ton gehören. wie seht ihr das? setzen einzelne unternehmen vielleicht nur kleine zeichen und im großen ganzen ist nachhaltigkeit für sie eine nebensache oder nicht wichtig? ist es heute ein muss, auf derartige dinge zu bauen

 

ht: ich denke, das hängt vom einzelnen unternehmen ab. wir können hier in erster linie über und für mam sprechen. bei mam ist es so, dass unser ganzheitliches engagement in allen säulen der nachhaltigkeit sehr wichtig ist. wahrscheinlich ist das auch einer der gründe, warum wir heuer den trigos, den österreichischen nachhaltigkeitspreis, als bestes mittleres unternehmen gewonnen haben. und da wird eben das ganzheitliche engagement von einer unabhängigen jury – ich glaube es waren 20 aus wirtschaft, npos und interessensverbänden – analysiert und bewertet. es kann sehr wohl sein, dass es auch zum guten ton gehört, und daher bei manchen unternehmen teil deren philosophie ist, aber aus einem ganz anderen grund. zum beispiel zum zweck verschiedener kommunikationsmaßnahmen. bei uns ist natürlich auch ein finanzieller background dahinter. wenn man nachhaltig arbeitet, spart man energie und somit auch kosten. auch weil wir sagen, dass ökonomisch nachhaltig agieren dann bedeutet, sich finanziell so aufzustellen, dass man lange und  mit vielen menschen arbeiten kann. von dem her kann man die beiden nie voneinander trennen.

 

wir haben es wirklich schön gefunden, das zu sehen und zu lesen...

 

st: ja, wir auch *lacht*

 

ht: ich habe den preis dann gesehen und gleich an euch gedacht.

 

st: ja, das war dann gleich klar, stimmt…

 

ht: vor 2 jahren haben wir ja eine internationale upcycling-competition gemacht, wo wir die tochtergesellschaften eingeladen haben, einen upcycling-tag zu verbringen. wir haben ihnen im vorfeld 500 schnuller geschickt und es haben dann wirklich alle mitgemacht, was ein sehr schöner erfolg war. es wurden da unterschiedliche dinge gefertigt und eingereicht. sei es jetzt ein nachtlicht aus schnullern, von den schweizern z.b. einen riesenschnuller in nur 2 tagen und vieles mehr. und da hat gabarage den zugehörigen award gestaltet, der wirklich schön war. der ist jetzt übrigens in brasilien!

 

upcycling-award im mam-design
upcycling-award im mam-design

… das wäre meine nächste frage gewesen *lacht* aber außerdem wollte ich noch wissen: haben denn die kollegen weltweit mit dem begriff „upcycling“ was anfangen können? oder hat man sie da ein wenig – anhand von beispielen – „schubsen“ müssen? wie hat sich denn der wettbewerb gestaltet?

 

ht: diese maßnahme oder diese competition war ja schon die dritte in dem bereich. von da her war das ganze schon eher bekannt. begonnen haben wir damit vor knapp 5 jahren, indem wir mit der angewandten eine ausschreibung gemacht haben „was kann man denn alles aus unseren produkten machen, nachdem sie das ende des produktlebenszyklus erreicht haben?“.

und da haben einige studentinnen der angewandten mitgemacht. gewonnen hat dann eine studentin, die mit einem ungarischen kleinkunsthandwerk und einer speziellen flechttechnik einen sessel aus schnullern gemacht hat. und das haben wir dann natürlich auch intern und extern kommuniziert. daher war der begriff des upcycling schon bekannt – auch bei unseren internationalen niederlassungen.

 

spannend ist oft, dass kunden oder kooperationspartner das wort „upcycling“ zwar kennen, aber wenn man sie fragt, was sie darunter verstehen, sind die antworten dann sehr unterschiedlich. es sickert zwar mittlerweile, aber im ersten moment sind die leute immer noch überrascht, was man aus alten dingen machen kann.

 

st: ich bin überzeugt davon, dass das bewusstsein  dafür in der bevölkerung noch nicht so groß ist. und dass auch der begriff noch nicht so weit verbreitet ist.

 

wirken dann so initiativen – wie bei euch unternehmensintern – auf die awareness?

 

st: keine frage, natürlich. absolut!

 

und die auswirkungen auf das tägliche (arbeits)leben? wenn man jetzt bei euch ins unternehmen schaut, gehen nach und nach mitarbeiterinnen generell bewusster mit ressourcen um?

 

st: ja, auf alle fälle.

 

ht: es hat ja bei uns auch damit angefangen, dass der unternehmensgründer bereits in den 80er jahren ein mitbegründer von der ara war.

ein teil unserer produkte besteht auch nach wie vor aus kunststoff, oder aus naturkautschuk. und wir beschäftigen uns schon sehr lange damit, was mit ihnen passiert, wenn sie von den babies nicht mehr gebraucht werden. österreich hat eine der effektivsten entsorgungsmethoden für kunststoff, quasi „best practice“. wir haben uns dann auch vor ca. 4 jahren angeschaut, was man denn alles aus unseren schnullern und flaschen machen kann. außerdem haben wir uns dann auch von „denkstatt“ ausrechnen lassen, wie es wäre, wenn wir gebrauchte mam produkte zurück nehmen und daraus kinderrutschen machen. wir sind dann aber recht schnell drauf gekommen, dass es sich (leider) nicht rechnet – transportkosten, man braucht viele schnuller bis eine rutsche möglich ist und auch die energieintensive produktion. man würde dafür viel mehr energie brauchen, als für die entsorgung bzw. die thermische verwertung.

da ist dann bei uns auch der gedanke entstanden, unseren produkten ein zweites leben einzuhauchen und so sind dann auch unsere upcycling-initiativen entstanden.

 

mam-schnuller-engel für "mery upcycling"
mam-schnuller-engel für "mery upcycling"

und wie seid ihr dann auf uns – gabarage - gekommen?

 

ht: (denkt kurz nach… lacht) ach ja, ich kann mich schon erinnern. und zwar habe ich jemanden gekannt, der jemanden kennt, der jemanden kennt,… und ich habe eine zeit lang in der nähe des shops gewohnt und bin öfters daran vorbeigegangen.

als wir dann für die office competition einen award gesucht haben und – aus technischen gründen – leider einige fehlproduzierte schnullersauger hatten, sind wir auf euch gestoßen. und ihr habt dann aus den saugern den award gemacht… und so hat alles begonnen.

 

bei der beauftragung von diversen firmen, achtet ihr darauf, lokale und nachhaltige unternehmen zu suchen? ist das eine logische konsequenz aus euren csr-bemühungen? oder ist es eine einmalige sache, dass ihr z.b. gabarage beauftragt habt?

 

st: ich kann nur aus marketing-sicht sprechen. wir merken, dass jetzt – auch durch den trigos und den wiener umweltpreis – viel in die gänge kommt. diese themen, die wir auch auf facebook und anderen kanälen immer wieder ansprechen, werden wichtiger und auch mehr wahrgenommen. vor 2 jahren haben wir auch gemeinsam mit müttern ideen generiert, was man für zuhause alles aus unseren dingen machen kann: wir haben fotorahmen mit schnuller beklebt, aus unserer milchaufbewahrung  kräutertöpfe gemacht, adventkränze und eine lampe – also unendlich viele ideen. und wir sehen, dass das alles sehr gut bei den müttern ankommt, vor allem weil es doch eine emotionale bindung zum flascherl oder schnuller des kindes gibt. man verbindet damit einfach erinnerungen und deshalb kommen solche ideen auch immer gut an.

 

durch den trigos, die anderen preise und dadurch, dass wir die ganze thematik immer mitnehmen und kommunizieren merkt man einfach, dass andere unternehmen, die im nachhaltigen bereich tätig sind, auf uns auch aktiv zukommen. wir werden jetzt einiges mit regionalen heimischen unternehmen machen, die schnittstellen zu unserer zielgruppe haben. das finden wir natürlich extrem spannend, aufregend und schön.

Trigos-Verleihung an MAM-Baby
Trigos-Verleihung an MAM-Baby

ht: wir machen ja alle 2-3 jahre eine steakholderbefragung, gehen also in den dialog mit medizinischen expertinnen, handelspartnerinnen, eltern, mitarbeiterinnen etc… und dabei fragen wir ab, was ihnen im bereich nachhaltigkeit wichtig ist. wir reporten nach dem „global reporting initiative“ und fragen ca. 20 aspekte ab. dabei kommt dann eigentlich immer raus, dass kundenzufriedenheit und –sicherheit ganz oben stehen. das versuchen wir dann natürlich jeden tag zu leben: hohe qualitätsansprüche sind extrem wichtig.

 

...aus ausgedienten mam-foldern
...aus ausgedienten mam-foldern

und jetzt noch mal auf unsere gemeinsame „winteraktion“ zurückzukommen, unser zweites gemeinsames projekt. was waren denn da die reaktionen der eltern und eingeladenen gäste…?

 

st: genau! das merry upcycling… ich glaube, es hat viele sehr überrascht, sowohl medienvertreterinnen, als auch eltern und bloggerinnen. viele wussten nicht, was da genau passiert, aber es war extrem positiv. es hat spaß gemacht, die atmosphäre war sehr locker und angenehm, sehr ungezwungen und kreativ! wir haben uns da sehr viele gedanken gemacht, was man cooles in recht kurzer zeit machen kann und man sich dann auch gerne mit nachhause nimmt und aufhängt.

wir überlegen, diese ideen auch fortzuführen. und es war sicher nicht das letzte mal, dass wir mit gabarage zusammengearbeitet haben, um kreative ideen umzusetzen.

 

ht: … da habt’s jetzt gleich wieder einen auftrag dazu bekommen.

 

na wunderbar! (alle lachen) zusammenfassend: wie war die zusammenarbeit für euch rückblickend? es gab ja in der entwicklung mancher ideen ab und zu „try and error“…  wir waren jetzt ja auch euer erster upcycling-partner?

 

st: ich bin sowieso ein mensch, der sich über alles neue im leben freut und es hat mit euch echt spaß gemacht. diese kreativität, die künstlerische richtung mit alltäglichen produkten zu verbinden und dann auch zwei mal in euren shop zu kommen und eure produkte und kleidung zu bestaunen nach dem motto „hätt‘ ich gerne“… das alles war eine super erfahrung!

 

ht: …und man darf ja auch ideen verwerfen in einem kreativen prozess. das ist ja erlaubt!

 

abschließend noch eine letzte frage: mit welchen 3 begriffen würdet ihr gabarage beschreiben?

 

ht: second life, design, hip

 

st: überzeugend, durchdacht, trendy